Andrea Mantegna
Mantua, Italien
Foto: Wikimedia Commons (Ausschnitt)
1431
13.09.1506
www-casadelmantegna-it.translate.goog
Andrea Mantegna gilt als einer der größten Maler der italienischen Frührenaissance. Sowohl in seinen Werken als auch in seinem Haus in Mantua begegnet uns ein Künstler, der sich dem aufkommenden Humanismus und dessen Rückbindung an die Antike leidenschaftlich verschrieben hat.
Bereits in jungen Jahren war der Sohn eines Tischlers während seiner Ausbildung in Padua mit der antiken Kunst in Berührung gekommen. Sie imprägnierte sein gesamtes weiteres Schaffen. Schnell wurde sein herausragendes Können erkannt, schnell stieg er in Oberitalien zu einem gefragten Maler auf. Die Heirat mit Nicolosia Bellini band ihn zudem an die renommierte venezianische Künstlerdynastie der Bellinis. Mit seinem Schwager Giovanni Bellini arbeitete er mehrere Jahre lang eng in Venedig zusammen. Die beiden Ausnahmetalente wetteiferten miteinander – und inspirierten sich zugleich gegenseitig.
Erst als Mantegna 1456 den Ruf nach Mantua annahm und in den Dienst des Markgrafen Ludovico II. Gonzaga trat, trennten sich ihre beruflichen Wege. Fünf Jahrzehnte lang, bis zu seinem Tod, blieb Mantegna Hofmaler der Gonzagas. Diese privilegierte Position erlaubte es ihm, sich mit seiner Familie außerhalb des Palastes niederzulassen. Auf einem vom Markgrafen geschenkten Grundstück ließ er ab 1476 nach eigenen Entwürfen ein äußerst repräsentatives Haus errichten. Die einst reiche Freskenbemalung, heute nur noch fragmentarisch erhalten, legt davon Zeugnis ab. Selbst ein eigenes Wappen - für einen Künstler jener Zeit alles andere als selbstverständlich - wurde ihm von seinem Dienstherrn zugestanden.
Die klar gegliederte, harmonische Architektur des zweigeschossigen Gebäudes nimmt bewusst Bezug auf antike Vorbilder. Im Zentrum des quadratischen Grundrisses mit einer Seitenlänge von 25 Metern liegt ein Innenhof, der sich zylindrisch noch oben öffnet. Wie im Atrium eines römischen Stadthauses erschließen sich von hier aus über vier hohe Portale die angrenzenden Räume. Auf dem Türsturz prangt programmatisch das Motto „Ab Olympo“ (Vom Olymp) – wohl ein Hinweis auf den beanspruchten Rang des Künstlers, sich stolz in der Sphäre der griechischen Götterwelt zu bewegen.
Eine verblüffende Parallele zu den geometrischen Grundformen des Hauses – Kubus und Kreis – weist die phantastische „Camera degli Sposi “ im herzoglichen Palast in Mantua auf. Dort stellte Mantegna in einem Freskenzyklus den Hofstaat der Gonzaga dar und bewies einmal mehr seine Meisterschaft in der perspektivischen Raumgestaltung, besonders im illusionistischen Deckenbild, das den Blick scheinbar in den offenen Himmel freigibt.
Mantegnas Vorliebe für antike Skulpturen zeigt sich auch in der plastischen Formgebung seiner Figuren. Er malte sie statuarisch streng und würdevoll. Doch obwohl seine Gemälde wie auch seine Kupferstiche an der Antike Maß nahmen, blieb der christliche Gehalt ungebrochen. Am spektakulärsten in der „Beweinung Christi“, die den Leichnam Jesu in einer neuartigen verkürzten Untersicht zeigt. Dieses bis heute ergreifende Bildnis war keine Auftragsarbeit, es gehörte zum Nachlass des Malers und soll sich in seinem Zimmer befunden haben, als er starb. Leider war es dem Maler nicht vergönnt, die letzten Lebensjahre in seinem Haus zu verbringen. Hohe Schulden zwangen ihn, den Besitz 1502 zu veräußern.
Andrea Mantegnas Haus gilt als eines der frühesten Beispiele eines herrschaftlichen Künstlerdomizils. Es repräsentiert einen neuen, eigenständigen Künstlertypus, der seinen durch Bildung und Reichtum erworbenen sozialen Status selbstbewusst zur Schau stellte.