Ernst Fuchs

Wien, Österreich

Porträt von Ernst Fuchs

Foto: Wikimedia Commons/Tsui, 2007 (Ausschnitt) https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de

Erkenntnisse suchen mich heim, die zu finden ich gar nicht gehofft hatte.

13.02.1930

09.11.2015

ernstfuchsmuseum.at

Man mag von Ernst Fuchs halten, was man will. Eines jedoch muss man diesem Wiener Künstler zweifellos zugutehalten: Mit dem beträchtlichen Vermögen, das ihm seine Kunst einbrachte, stellte er sich nicht nur Edelkarossen in die Garage. Er rettete auch ein Wiener Architekturjuwel, die Villa Otto Wagners, vor dem drohenden Verfall. Heute steht sie glanzvoll und vorbildlich restauriert da und beherbergt das Ernst-Fuchs-Museum.

Otto Wagner, der große österreichische Jugendstilarchitekt, dem Ikonen wie die Wiener Postsparkasse und die Kirche am Steinhof zu verdanken sind, ließ die Villa vor den Toren Wiens für sich und seine Familie in den Jahren 1886 bis 1888 errichten. Eine monumentale Freitreppe führt hinauf zu einer Arkadenhalle, von der zwei verglaste Seitenflügel abgehen. Während sich die äußere Architektur noch dem Historismus zuordnen lässt, dominiert im Inneren der Jugendstil. Zwar ist kein originales Inventar erhalten geblieben, doch noch immer zeugen zahlreiche dekorative Elemente wie die Tiffany-Glasfenster von Adolf Böhm, das mit Jugendstilmosaiken ausgestattete Bad von Koloman Moser sowie Boden- und Wandverzierungen von der ehemaligen Wohnatmosphäre im Hause Otto Wagners.

Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, verkaufte Wagner die Villa 1911 und errichtete gleich nebenan ein kleineres Domizil im secessionistischen Stil. Die Wagner-Villa selbst wurde nach der Emigration ihrer neuen jüdischen Besitzer von den Nationalsozialisten konfisziert. Baldur von Schirach nutzte sie als Büro für die Freizeitorganisation der Hitlerjugend. In der Nachkriegszeit verfiel das Gebäude zusehends.

Fuchs, der schon immer ein Auge auf das Anwesen gehabt hatte, erwarb die heruntergekommene Villa 1972 aus eigenen Mitteln. Schon als Achtjähriger soll er seiner Mutter bei einem Spaziergang versprochen haben: „Mama, wenn ich einmal groß bin, schenke ich dir dieses Haus.“ Und so kam es. Seine Mutter lebte dort bis zu ihrem Tod, Ernst Fuchs selbst nutzte die Villa über viele Jahre hinweg als Atelier.

Natürlich bewahrt das Haus nicht nur die Spuren Otto Wagners, auch Ernst Fuchs hat ihm kräftig seinen Stempel aufgedrückt – besonders augenfällig im Garten mit dem pompösen Brunnenhaus „Nymphäum Omega“, dem vorgelagerten Moses-Brunnen und der zwischen ionischen Säulen thronenden Esther-Figur, deren üppige Formen an die Venus von Willendorf erinnern. Für Fuchs war sie „die Urmutter schlechthin“. Im Innern stammen Tapeten, Möbel und zahlreiche großformatige Gemälde von ihm selbst. Die elegante Ornamentik und Klarheit der Wiener Secession bilden dabei den dezenten Rahmen für die schreiend bunte Bilderwelt des Künstlers.

Ernst Fuchs war äußerst vielseitig begabt. Er war Maler, Grafiker, Architekt, Bühnenbildner, Autor, Musiker - und Mitbegründer der „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“. Und phantastisch sind seine exzentrischen Werke allemal. In ihnen verschmelzen religiöse, mythologische und erotische Motive mit Elementen des Symbolismus und des Surrealismus. „Sie sind der Dali der Deutschen“, soll sein Förderer Salvador Dali einst zu ihm gesagt haben.

Seine Kunst polarisiert bis heute. Für die einen ist sie schwülstiger esoterischer Kitsch, für die anderen visionäre Inspirationsquelle. „Erkenntnisse suchen mich heim, die zu finden ich gar nicht gehofft hatte“, sagte Fuchs über sein Schaffen. Und der Erfolg gab ihm recht. Ernst Fuchs war zu seiner Zeit angesagt. Er verkehrte mit Promis aus aller Welt, er porträtierte Falco oder Placido Domingo. Zusammen mit Friedensreich Hundertwasser gehörte er im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts zu den bekanntesten und schillerndsten österreichischen Künstlerpersönlichkeiten.

Der Vater von sechzehn Kindern aus sieben Beziehungen, dessen Markenzeichen seine selbstentworfenen Brokatkappen und der rötlich gekräuselte Bart waren, gefiel sich gerne in der Rolle des Universalkünstlers. Am Ende, nach Lebensstationen in Paris, den USA, Israel und der Côte d’Azur, zog es ihn wieder zurück in die Wagner-Villa. Dort lebte er bis zu seinem Tod im Untergeschoss - über ihm sein Vermächtnis an die Nachwelt: die sorgfältig inszenierte Fuchs-Wagnersche Kunstsymbiose.

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