Jack London

Glen Ellen, USA

Porträt von Jack London

Foto: Wikimedia commons/Unknown author 1900 (Ausschnitt)

Lieber will ich ein prächtiger Meteor sein, in dem jedes Atom herrlich glüht, als ein langlebiger, verschlafener Planet.

12.01.1876

22.11.1916

jacklondonpark.com

Zuerst faszinieren seine lichtgrauen Augen. Das bezeugen nicht nur Zeitgenossen, sondern auch zahlreiche Fotografien. Jack Londons Augen sprechen von unbändiger Lust auf Abenteuer, Freiheit, Vergnügen und Risiko. „Lieber will ich ein prächtiger Meteor sein, in dem jedes Atom herrlich glüht, als ein langlebiger, verschlafener Planet. Die wahre Aufgabe eines Menschen ist es, zu leben, nicht nur zu existieren. Ich werde meine Tage nicht dazu verschwenden, sie zu verlängern. Ich werde meine Zeit nutzen.“ Genau das hat Jack London getan.

Als nichteheliches Kind in einer ärmlichen Umgebung aufgewachsen und später vom Stiefvater adoptiert, musste er früh zum Lebensunterhalt der Familie beitragen - „Mein Platz in der Gesellschaft war ganz unten.“ Er arbeitete als Zeitungsverkäufer, schuftete in einer Konservenfabrik und in einer Wäscherei, schleppte Kohlen und plünderte die Austernbänke vor San Francisco, um seine Beute auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Als Landstreicher fuhr er auf den Achsengestängen der Güterzüge durchs Land, heuerte auf einem Robbenfängerschiff Richtung Japan an und suchte auf einer Expedition nach Alaska ziemlich erfolglos nach Gold.

Den Kampf ums Überleben und den vitalen Willen zur Selbstbehauptung hatte Jack London am eigenen Leib erfahren. Kein Wunder, dass er dem zeittypischen sozialdarwinistischen Denken vom „survival of the fittest“ anhing. Auch seine Erfahrungen mit Ausbeutung, Ungerechtigkeit und Unterdrückung hinterließen Spuren in ihm. Er wurde bekennender Sozialist und engagierter Anwalt der Underdogs.

Fest entschlossen, den sozialen Niederungen zu entkommen, setzte er alles daran, Schriftsteller zu werden. Spannenden Erzählstoff bot ihm sein eigenes Leben ja im Überfluss. Schon als Kind war er lesehungrig gewesen, hatte sich durch Unmengen von Büchern aus der öffentlichen Bibliothek hindurchgeschmökert. „Ich las im Bett, ich las bei Tisch, ich las auf dem Weg zur Schule und auf dem Weg zurück, ich las in den Pausen, wenn die anderen Jungs spielten“, heißt es in seinem autobiographischen Roman „König Alkohol“. Später holte er den Schulabschluss nach und schrieb sich für ein Semester an der Universität Berkeley ein.

Der Einstieg ins Schriftstellerdasein verlief anfangs alles andere als reibungslos. Jack London kassierte für seine eingesandten Texte Absage über Absage. Doch im Jahr 1900 gelang ihm schließlich die Veröffentlichung seines ersten Erzählbandes. Von da an ging es schlagartig aufwärts. Seine Abenteuerromane „Ruf der Wildnis“ (1903), „Der Seewolf“ (1904) und „Wolfsblut“ (1906) entwickelten sich zu Bestsellern. Jack London wurde weltberühmt und wohlhabend. In den sechzehn Jahren bis zu seinem Tod schrieb er zahlreiche Romane und Kurzgeschichten, außerdem Essays und Reportagen - über das Erdbeben in seiner Geburtsstadt San Francisco, über das Elend in den Londoner Slums oder über den Russisch-Japanischen Krieg. Auch als Fotograf erwies er sich als kluger Beobachter seiner Zeit.

Immer wieder zog es den Rastlosen hinaus in die Welt. „Tag für Tag verspürte ich den Wunsch, die Welt jenseits des Horizonts zu entdecken.“ In seiner zweiten Frau Charmian fand er die ideale Gefährtin. Sie teilte seinen Wagemut, seine Entdeckerlust und seine Energie, war unkonventionell und selbstbewusst. Gemeinsam unternahmen sie mit ihrer Yacht „Snark“ eine mehr als zweijährige Reise durch den Südpazifik, die jedoch wegen Krankheiten und technischen Pannen vorzeitig abgebrochen werden musste.

1905 erwarb Jack London in der Nähe des nordkalifornischen Ortes Glen Ellen in der Sonoma-Region weitläufige Ländereien. Er nannte das Areal „Beauty Ranch“ und vergrößerte es in den folgenden Jahren Stück für Stück. „Alles, was ich wollte, war ein ruhiger Platz auf dem Land zum Schreiben und Leben in der Natur.“

Hier sollte sein Traumprojekt Wirklichkeit werden, eine nach ökologischen Prinzipien geführte Farm, gedacht als autarke Dorfgemeinschaft. Mit großem Elan stürzte sich Jack London in diese Aufgabe. Seit 1911 lebten und arbeiteten er und Charmian, wann immer sie sich auf der „Beauty Ranch“ aufhielten, im Cottage, einem hellen Holzhaus, umgeben von Blumen, Weinbergen und Wäldern. Noch heute verströmt ihr Zuhause – Wohnzimmer, Arbeitsräume, Schlafbereiche – eine lässige, heitere Behaglichkeit.

Doch dann kamen Tiefschläge, von denen sich Jack London finanziell, körperlich und seelisch nicht mehr erholte. Der Tod der gemeinsamen Tochter kurz nach der Geburt und eine Fehlgeburt trafen ihn und Charmian schwer. Hinzu kamen Frostschäden, die die Ernten der „Beauty Ranch“ zunichtemachten. 1913 schließlich der nächste Schock: Das monumentale Wohnhaus aus Lavasteinen und Redwoodholz, genannt „Wolf House“, brannte kurz vor dem geplanten Einzug bis auf die Grundmauern nieder. Vermutlich hatten sich mit Leinöl behandelte Hölzer in der Augusthitze selbst entzündet. Noch heute lässt sich beim Anblick der gespenstisch aus dem Wald herausragenden Ruine das damalige Entsetzen erahnen.

Jack London arbeitete verbissen weiter, trank und rauchte zu viel. Er starb im Alter von nur vierzig Jahren in seinem Cottage, vermutlich an den Folgen eines Nierenversagens. Zum Tod hatte er ein nüchternes Verhältnis: „Ich glaube, dass ich mit meinem Tod genauso ausgelöscht bin wie die letzte Mücke, die Sie oder ich erschlagen haben.“

Einige Jahre später ließ Charmian das Gebäude „House of Happy Walls“ errichten, in dem sich heute das Museum befindet. Jacks Wunsch entsprechend wurde seine Asche auf einer kleinen Anhöhe der „Beauty Ranch“ verstreut. Sein Grab bedeckt ein Stein aus den Ruinen des "Wolf House" – schlicht, erdverwachsen, namenlos. Doch so wortlos wollen wir Jack London nicht gehen lassen. Den treffendsten Nachruf auf sein Leben hat er selbst verfasst: „Auf meinen eigenen Beinen zu stehen, das Leben so zu sehen, wie es ist, nichts zu fürchten und den Tod so kühl zu anderen kommen zu sehen wie zu mir. Die Feigheit zu verachten, aber dem tapferen Manne meine Achtung zu bezeugen. So habe ich gelebt, vielleicht primitiv, aber frei und offen.“

 

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