John Muir

Martinez, USA

Porträt von John Muir

Foto: Wikimedia Commons/um 1870 (Ausschnitt)

Ein Tag in den Bergen ist besser als eine Wagenladung Bücher.

21.04.1838

24.12.1914

www.nps.gov

Wo finden wir seine Spuren? In seinem Haus im kalifornischen Martinez – oder doch eher draußen, in der Weite der Natur, über die er selbst sagte: „Going to the mountains is going home“? John Muir zog es Zeit seines Lebens weit stärker in die Wildnis als in die Zivilisation. Er war Naturforscher, Naturverehrer und Naturschützer. Sein Denken und Handeln wirken bis heute fort.

Hineingeboren in eine streng christliche Familie, die aus Schottland in die USA ausgewandert war, musste der elfjährige John gemeinsam mit seinen Geschwistern auf der väterlichen Farm in Wisconsin zu schuften. In Schottland hatte er noch die Schule besuchen können, nun aber war der aufgeweckte Junge gezwungen, sich autodidaktisch weiterzubilden. Neben allerlei Gerätschaften erfand er eine sogenannte Frühaufsteher-Maschine: Noch vor Sonnenaufgang kippte sie mithilfe einer eingebauten Zeitschaltuhr sein Bett in die Senkrechte. So verschaffte sich Muir vor Arbeitsbeginn Zeit zum Lesen und Lernen.

Die Einkünfte aus Gelegenheitsjobs und technischen Tüfteleien ermöglichten es ihm später, an der Universität von Wisconsin sein Wissen in Geologie, Botanik und Chemie zu vertiefen. Nach drei Jahren verließ er die Hochschule jedoch ohne Abschluss, um bald darauf seine eigentlichen Studien aufzunehmen – draußen an der „Universität der Wildnis“. „Ich interpretiere die Felsen, lerne die Sprache der Flut, des Sturms und der Lawine. Ich mache mich vertraut mit den Gletschern und wilden Gärten. Ich komme dem Herzen der Welt so nah, wie ich nur kann.“

Wochen- ja, jahrelang lebte er unter einfachsten Bedingungen in und mit der Natur, erforschte sie meist allein, gelegentlich in Begleitung. „Zwei Reihen plüschiger Zweige, die sich in der Mitte überlappen, und als Kissen einen Halbmond aus kleinerem Gefieder, mit Farnen und Blumen vermengt, ergeben das beste Bett, das man sich vorstellen kann“, schwärmte er.

Vor allem die kalifornische Sierra Nevada und das Yosemite Valley hatten es ihm angetan. Er war fasziniert von den paradiesischen Bergseen, Wasserfällen, Flüssen, Granitfelsen, Riesenmammutbäumen und Wildblumenwiesen. Wissbegierig und sachkundig untersuchte und dokumentierte er deren Vielfalt. Landschaften, Pflanzen- und Tierarten erlebte er als vitale, dynamische Welt, in die sich der Mensch mit Wertschätzung und Liebe einzuordnen habe. Jeder Stein schien ihm „vor Leben zu glühen“. Und nachdem er einmal in eine Lawine geraten war, notierte er: „Dieser Flug, man sollte es wohl am besten als eine Milchstraße voller Schneesterne bezeichnen, war die wohl spirituellste und berauschendste Art der Fortbewegung, die ich jemals kennengelernt habe.“ Seine Natureindrücke hielt Muir schreibend fest, seine Artikel und Bücher machten ihn berühmt und einflussreich.

Dabei nahm die Idee des Naturschutzes zunehmend Besitz von ihm. Es wurde zu seiner Mission, die Schönheit und Ursprünglichkeit der Natur vor menschlichen Eingriffen und Vereinnahmungen zu bewahren. Viele Menschen seien irritiert, schrieb er, wenn sie „in Gottes großem Universum“ auf etwas träfen, „das sie nicht essen oder sich in irgendeiner Weise zunutze machen könnten.“ Er plädierte für großflächige, unberührte Schutzgebiete, nahm dabei allerdings auch die Verdrängung der amerikanischen Ureinwohner in Kauf.

John Muirs Verdienst war es, die Politik für den Naturschutz in die Pflicht zu nehmen. Sein legendärer Campingausflug im Jahr 1903 mit dem damaligen Präsidenten Theodore Roosevelt war in dieser Hinsicht wohl die öffentlichkeitsstärkste Aktion. Mit seinem beharrlichen Engagement erreichte Muir, dass Yosemite unter staatliche Kontrolle gestellt und zum Nationalpark erklärt wurde. Viele weitere Nationalparks in den USA und weltweit sollten folgen. Bereits 1892 hatte er mit Gleichgesinnten den Sierra Club gegründet, die erste Naturschutzorganisation der Vereinigten Staaten – um, so Muir, „etwas für die Wildnis zu tun und die Berge glücklich zu machen.“

Im Alter von 42 Jahren heiratete er Louie Wanda Strentzel. Die Ehe brachte ihn dazu, zumindest für ein Jahrzehnt sesshafter zu leben. In Martinez übernahm er erfolgreich die Bewirtschaftung der weitläufigen Obstplantagen seines Schwiegervaters John Strentzel. Nach dessen Tod im Jahr 1890 zog Muir mit seiner Frau und den beiden Töchtern in das ererbte herrschaftliche Haus, das er bis zu seinem Tod bewohnte. Sein Arbeitszimmer, in dem mehrere seiner Werke entstanden, ist dort – wie vieles andere – weitgehend original erhalten.

Doch immer wieder zog es Muir aus der Häuslichkeit hinaus in die freie Natur. Inzwischen materiell gesichert, konnte er ab 1890 die Betriebsleitung delegieren und sich erneut dem Schreiben und Reisen widmen. Seine Naturerkundungen führten ihn – für die damalige Zeit höchst außergewöhnlich – bis nach Alaska, Kanada, Europa, Russland, China, Ägypten, Australien, Neuseeland, Japan, Hawaii und Südamerika. Lebenslang war er überzeugt: „Ein Tag in den Bergen ist besser als eine Wagenladung Bücher.“

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