Hernán Cortés

Cuernavaca, Mexiko

Porträt von Hernán Cortés

Foto: Wikimedia commons/Unknown author (Ausschnitt)

Unser Vaterland ehren, unseren König verherrlichen und uns reich machen.

1485

02.12.1547

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Im Frühjahr 1519 betrat der Spanier Hernán Cortés erstmals aztekischen Boden. Mit elf Schiffen und rund 500 Männern war er von Kuba aus auf eigene Faust zu einer Erkundungsfahrt in Richtung Mittelamerika aufgebrochen. Den Ureinwohnern müssen die weißhäutigen Fremden mit ihren Pferden und Feuerwaffen wie Wesen von einem anderen Stern erschienen sein. Wer hätte in diesem Moment geahnt, dass es den Spaniern innerhalb von nur zweieinhalb Jahren gelingen würde, dieses mächtige Aztekenreich zu Fall zu bringen - ein Reich, das sich von der atlantischen Ostküste bis zur pazifischen Westküste Mittelamerikas erstreckte.

Nachdem die Kunde von der Ankunft der Eindringlinge den aztekischen Herrscher Moctezuma II. (Montezuma) in seiner Hauptstadt Tenochtitlán erreicht hatte, ließ er die Spanier mit Gold, Edelsteinen und Federschmuck beschenken. Eine Geste des Friedens. Warum er so handelte, bleibt bis heute ein Rätsel. Wollte er die wunderlichen Fremden mit diesen Gaben möglichst schnell wieder loswerden? Sah er in ihnen die wiedergekehrten Götter seiner Ahnen, wie es aztekische Mythen prophezeit hatten? Oder war es einfach Neugier auf ihre Fremdartigkeit, in ruhiger Gewissheit, dass diese kleine Schar ihm sowieso nicht gefährlich werden könnten? Denn tatsächlich wäre es ihm ein Leichtes gewesen, die Spanier mit einem Schlag zu vernichten. Die Geschichte hätte dann womöglich einen anderen Verlauf genommen.

Doch Cortés und seine Leute dachten nicht daran, den Rückzug anzutreten. Die prächtigen Geschenke hatten ihre Gier und ihren Ehrgeiz erst recht angestachelt. Warum sich mit einzelnen Gaben zufriedengeben, wenn sich das gesamte, offenbar wohlhabende Aztekenreich der spanischen Krone unterwerfen ließ? Oder, in den Worten von Cortés: „Unser Vaterland ehren, unseren König verherrlichen und uns reich machen.“ So drangen die Spanier weiter ins Landesinnere vor - auf die Aztekenmetropole zu.

Und was sie dort erblickten, verschlug ihnen den Atem. „Da waren wir bass erstaunt über dieses Zauberreich“, berichtete der Chronist Bernal Díaz del Castillo. „Alles war so schön und anmutig, dass man sich gar nicht sattsehen konnte.“ Wie eine Fata Morgana muss ihnen Tenochtitlán erschienen sein: eine von einem flachen Salzsee umrahmte Insel, durchzogen von Straßen und Kanälen und über Dämme mit dem Festland verbunden. Die Spanier waren fasziniert von diesem florierenden, wohlgeordneten Gemeinwesen.

Im November 1519 kam es dort zur ersten Begegnung zwischen Moctezuma und Cortés. Erneut zeigte sich der aztekische Herrscher gastfreundlich. Er gewährte den Fremden Unterkunft in seiner Stadt und überschüttete sie mit Geschenken. Cortés sandte die schönsten Schmuckstücke voller Stolz ins spanische Heimatland. „Eure Majestät möge mir glauben, so phantastisch es sich wohl anhört, dass Moctezuma von allen Dingen, die es zu Wasser und zu Lande gibt, soweit sie ihm bekannt sind, getreue und vollkommene Abbilder besitzt, alle kunstvoll aus Gold, Silber, Edelgestein und Federstickerei gefertigt“, schwärmte er in einem Brief an Kaiser Karl V. Auch Albrecht Dürer, der die aufsehenerregenden Schätze 1502 in Brüssel sah, war tief beeindruckt: „Habe all mein Lebtag nichts gesehen, das mein Herz also erfreuet hat.“

Monatelang hielten sich die Spanier in der aztekischen Hauptstadt auf. Doch schließlich war ihr Kredit erschöpft. Es kam zum Aufruhr, die Azteken vertrieben die Eindringlinge. Die mussten Hals über Kopf und unter hohen Verlusten fliehen. Moctezuma, der von ihnen in Geiselhaft genommen worden war, kam in den Kämpfen unter ungeklärten Umständen ums Leben.

Cortés jedoch gab sich nicht geschlagen. Er sammelte neue Kräfte - und vor allem neue Verbündete unter den indigenen Stämmen. Geschickt machte er sich zunutze, dass viele die Unterjochung unter die Azteken satt hatten und im spanischen Eroberungskampf eine Chance auf Befreiung von ihren Unterdrückern witterten. Zu den Tributzahlungen, die sie den Azteken zu leisten hatten, gehörten auch Menschen, die in grausamen Ritualen den Göttern geopfert wurden. Ihnen wurde bei lebendigem Leib das Herz herausgerissen. Menschenblut floss in Strömen um des Wohlwollens der aztekischen Götter willen.

Ein knappes Jahr später war es dann so weit. Gemeinsam mit ihren indigenen Verbündeten rückte Cortés erneut gegen Tenochtitlán vor. Die Spanier kappten die Verbindungen zum Festland und hungerten die Einwohner systematisch aus. Die aus Europa eingeschleppte Pockenepidemie, gegen die die Einheimischen keine Abwehrkräfte besaßen, tat ein Übriges. Im August 1521 hatten die Spanier die Azteken niedergemetzelt und die einst so prächtige Stadt dem Erdboden gleichgemacht. Auf den Ruinen von Tenochtitlán errichteten sie ihre neue Hauptstadt: Mexico-Stadt.

Cortés, inzwischen Generalgouverneur des mittelamerikanischen Kolonialreichs Neuspanien, feierte sich als Held - wohl wissend, dass der Sieg ohne die Unterstützung indigener Verbündeter unmöglich gewesen wäre. Doch deren Hoffnung auf Befreiung erfüllte sich nicht. Die spanischen Eroberer vernichteten systematisch die indigene Kultur, zerstörten Tempel und Bildschriften und plünderten die Schätze des Landes. Mit dem erbeuteten Gold finanzierte Karl V. seine Kriege in Europa.

Schließlich wurde Cortés selbst dem Kaiser zu mächtig. 1535 ernannte Karl V. Antonio de Mendoza zum ersten Vizekönig von Neuspanien. Cortés, tief enttäuscht, verlor seine politische Macht, behielt jedoch weiterhin das Recht auf militärische Eroberungen und Expeditionen.

Bereits 1526 hatte er in Cuernavaca auf den Ruinen eines indigenen Zeremonialplatzes einen Palast für sich und seine zweite Ehefrau Juana de Zúniga errichten lassen. Die Region war bekannt für ihre Fruchtbarkeit und ihr mildes Klima. In dieser reich ausgestatteten Residenz wurde auch sein Sohn Martin geboren, der spätere Erbe. Der steinerne Palast in gotischem und Mudéjar-Stil war zugleich als Festung konzipiert mit Wachturm, massiven Mauern und Befestigungsanlagen - ein Zeichen dafür, dass der Widerstand der indigenen Bevölkerung noch nicht gebrochen war.

Zu Cortés' Zeiten war das Gebäude mit seinen beiden Galerien kleiner als heute. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es erweitert und diente unter anderem als Gefängnis und Verwaltungssitz. 1930 entstanden im Obergeschoss die Wandbilder des Malers Diego Rivera, die die Brutalität der spanischen Eroberung und die Erniedrigung der Ureinwohner eindrucksvoll darstellen. Heute beherbergt der Palast ein historisches Museum, in dem auch Exponate aus dem Besitz von Cortés zu sehen sind.

Hernán Cortés starb 1547 im Alter von 62 Jahren auf seinem Landgut in Spanien.

Der Palast in Cuernavaca ist bis heute ein imposantes Symbol kolonialer Macht. In Mexiko ist er das älteste erhaltene zivile Bauwerk aus der spanischen Eroberungsära. Doch auch die Azteken haben bleibende Spuren hinterlassen: in Wörtern wie etwa Schokolade, Avocado oder Tomate, die Eingang in viele Sprachen gefunden haben, und im Namen des Landes selbst, der sich von „Mexica“, der Eigenbezeichnung der Azteken, ableitet. Auf der mexikanischen Staatsflagge lebt ihr Gründungsmythos weiter: der Adler auf dem Kaktus, eine Schlange im Schnabel.

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