Maximilian II. von Bayern
Schwangau (Schloss Hohenschwangau), Deutschland
Foto: Wikimedia Commons/Karl Joseph Stieler, 1850 (Ausschnitt)
28.11.1811
10.03.1864
Viel lieber als mit der Königskrone hätte sich Maximilian II. von Bayern mit dem Doktorhut geschmückt. Der wissenschaftlich ambitionierte Monarch kam im Jahr 1848 völlig unerwartet auf den Thron, nachdem sein Vater Ludwig I. von Bayern seine Abdankung erklärt hatte. Maximilian war damals 36 Jahre alt. Als Kronprinz hatte er in Göttingen und Berlin studiert und sich mit Leidenschaft den Wissenschaften, insbesondere der Geschichtswissenschaft, gewidmet. Doch als erstgeborener Sohn war er fürs Königsein bestimmt. Mitten hineingeworfen in die revolutionären Unruhen des Jahres 1848 sah er sich nach eigenen Worten eher in der Rolle des „Dornenkrone“ tragenden Regenten.
Durch die Einlösung zugesagter Reformen und die Umwandlung Bayerns in eine konstitutionelle Monarchie gelang es Maximilian zunächst, sein Land zu befrieden. Die Furcht vor einem erneuten Umsturz jedoch begleitete ihn ein Leben lang. Er ließ sich von seinem Innenminister monatliche Berichte über die Stimmungslage in der Bevölkerung vorlegen, zusätzlich existierten geheime Alarmpläne für den Fall revolutionärer Erhebungen. Vermutlich war ihm auch das Schicksal seines jüngeren Bruders Otto ein warnendes Beispiel, der als König von Griechenland mehrfach durch Aufstände unter Druck geraten war. „Ich will Frieden haben mit meinem Volke“, war Maximilians Devise.
Seiner Neigung zur Gelehrsamkeit blieb Maximilian auch als Monarch treu, bis hinein in seinen Regierungsstil. Maximilian galt als gewissenhaft, abwägend und überlegt. Er ließ Gutachten und Zweitgutachten erstellen, ehe er sich zu einer Entscheidung durchringen konnte. Besonders leutselig machte in sein verschlossenes, rationales Wesen beim Volk nicht gerade, aber dieser König hatte die Zeichen der Zeit erkannt. Er trieb in Bayern die Industrialisierung und technische Entwicklung voran und bemühte sich zugleich, soziale Missstände in der Arbeiter- und Bauernschaft zu mildern. Vor allem aber verstand er sich als Förderer von Bildung und Kunst sowie der Geistes- und Naturwissenschaften. Er berief namhafte Gelehrte nach Bayern, bewegte sich in akademischen Zirkeln, lud Wissenschaftler wie Dichter an seinen Hof, um sich inspirieren zu lassen. Die Gründung der Hochbegabtenstiftung Maximilianeum ging ebenso auf seine Initiative zurück wie die Gründung des Bayerischen Nationalmuseums und des Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst.
Auch die Erforschung und Pflege der bayerischen Volkskultur zur „Hebung und Kräftigung des Nationalgefühls“ war ihm ein zentrales Anliegen. Er war überzeugt, dass Volksmusik, Volksdichtung und Brauchtum die Identifikation mit der Heimat stärken und mögliche Umsturzgedanken im Keim ersticken würde. Sogar die Tracht wurde in seiner Regierungszeit erstmals hoffähig.
Maximilian war ein begeisterter Jäger und Naturfreund. Bereits als 18-jähriger Kronprinz hatte er auf einer Wanderung die mittelalterliche Burgruine Schwanstein bei Füssen entdeckt, malerisch auf einer Anhöhe zwischen Alpsee und Schwansee gelegen. In den 1830er Jahren ließ er die Anlage erwerben und unter der anfänglichen Leitung des Architekten Domenico Quaglio renovieren und ausbauen. Danach diente das Schloss, das fortan den Namen „Hohenschwangau“ trug, als Sommer- und Jagdresidenz der königlichen Familie.
1842 heiratete Maximilian die knapp 17-jährige Prinzessin Marie von Preußen. In Hohenschwangau entstanden neue Räume und Anbauten. Auch seine Gemahlin war naturverbunden und wanderfreudig. Sie hielt sich gerne und häufig in der bayerischen Bergwelt auf. Ihre gemeinsamen Söhne Ludwig und Otto verbrachten dort einen Großteil ihrer Kindheit.
Im Gegensatz zum klassizistischen Architekturideal seines Vaters favorisierte Maximilian den historisierenden neugotischen Stil, der Hohenschwangau bis heute prägt. In zahlreichen Innenräumen entfaltet sich ein regelrechtes Sagenprogramm. Wandmalereien nach Entwürfen von Moritz von Schwind und Ludwig Lindenschmit d.Ä. thematisieren die altdeutsche Sagenwelt der Nibelungen und des Schwanenritters Lohengrin. Vergangenheitsselige Burgenromantik war damals in Mode. So ließ etwa Maries Cousin, der preußische König Friedrich Wilhelm IV., das Rheinschloss Stolzenfels ebenfalls im Geiste des Historismus wiederaufbauen.
Dass der junge Ludwig am Ort seiner Kindheit erste Inspirationen für seine künftigen Schlossbauten gewann, zeigt sich in seiner lebenslangen Faszination für altdeutsche Sagenstoffe. In Sichtweite von Hohenschwangau ließ er sich später als bayerischer König Ludwig II. das Schloss Neuschwanstein errichten. Mit einem Fernrohr, das heute zu den Ausstellungsstücken von Hohenschwangau gehört, beobachtete er von dort aus die Fortschritte der Bauarbeiten.
Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn war von distanzierter Förmlichkeit geprägt – zu unterschiedlich waren ihre Charaktere. Maximilian, der zeitlebens kränkelte und oft kurend auf Reisen war, starb bereits im Alter von 52 Jahren. Auf seinen bedächtigen, abwägenden Regierungsstil folgte der so ganz andere, exzentrische Regierungsstil seines Sohnes Ludwig.