Remo Brindisi
Lido di Spina, Italien
Foto: Casa Museo Remo Brindisi (Ausschnitt)
25.04.1918
25.07.1996
Dieses Haus ist die Verwirklichung eines Lebenstraums: „Ich wollte ein lebendiges Museum schaffen, ein architektonisches Produkt unserer Zeit, in dem Werke unseres Jahrhunderts gesammelt sind und in dem die Menschen unserer Zeit leben und wohnen können.“
Remo Brindisi – Bildhauer, Maler, Graphiker und Kunstsammler – setzte diese visionäre Idee zwischen 1967 und 1973 im norditalienischen Badeort Lido di Spina mit staunenswerter Konsequenz um. In unmittelbarer Strandnähe ließ er nach eigenen Vorstellungen von der befreundeten Architektin und Designerin Nanda Vigo eine Sommerresidenz errichten. Sie sollte Wohnstätte, Arbeitsstätte und Kunstmuseum zugleich sein.
Mit diesem Bau schuf Brindisi den passenden Ort zur Präsentation seiner gewaltigen Sammlung zeitgenössischer Kunst, die er im Laufe seines Lebens – oft unter nicht geringen persönlichen Entbehrungen – zusammengetragen hatte. Zu sehen ist ein bemerkenswert breites Spektrum der Kunstmoderne, mit Werken von Max Ernst, Hans Arp, Henry Moore, Hans Hartung, Picasso, Dali, Giacometti, Kokoschka, De Chirico, Warhol, Bacon, Fontana und vielen anderen.
Unterschiedlichste künstlerische Ausdrucksformen – Malerei, Plastik, Graphik oder Design – stehen nach Brindisis Willen gleichberechtigt und miteinander korrespondierend nebeneinander. Gemeinsam spiegeln sie die vielfältigen Facetten der Kunst des 20. Jahrhunderts.
Auch die Architektur des Hauses selbst ist ein Spiegel des damaligen Zeitgeistes. Das zentrale, zylinderförmig geöffnete Atrium, von dem aus sich eine breite Treppe spiralförmig in die oberen Stockwerke windet und die einzelnen Räume miteinander verbindet, erinnert unübersehbar an Wrights Guggenheim Museum in New York. Zeittypisch sind auch die irritierend unterkühlt wirkenden weißgekachelten Flächen, die stilistisch der Pop-Ära der 1960er und 1970er Jahre zuzuschreiben sind.
Das gesamte Haus – bis hinein in den Garten – ist erfüllt von Kunst, ganz im Sinne von Brindisis Überzeugung, dass Kunst ein integraler Bestandteil des alltäglichen Lebens sein müsse: „Ich bin davon überzeugt, dass mein Museum eine große Schule ist, in der man lehrt, ohne Reden zu halten, in der man lernt, ohne sich zu langweilen, und sich ohne Anstrengung informiert und auf dem Laufenden hält.“
Auch Werke des Hausherrn selbst sind vertreten. Besonders ins Auge fallen drei großformatige Gemälde, die Brindisi eigens für sein Domizil geschaffen hat. Im Laufe seines Künstlerlebens durchlief er unterschiedliche – expressionistische, kubistische, abstrakte – Schaffensphasen. Häufig thematisieren seine Bilder politische und soziale Konfliktthemen. Auch darin war er ganz Mensch seiner Zeit.
Das weitläufige Ensemble bot Raum für Freunde und Brindisis große Herkunftsfamilie – er war als achtes von elf Kindern aufgewachsen. Die Ausstattung seines Schlafzimmers etwa stammt von seinem Vater, einem Holzbildhauer.
Remo Brindisi starb im Alter von 78 Jahren. Sein Wunsch, in der Nähe seines Lebenswerks beigesetzt zu werden, erfüllte sich. Seine Grabstätte befindet sich im Vorgarten dieser außergewöhnlichen „Casa Museo Remo Brindisi“.