Francesco Petrarca

Arquà, Italien

Porträt von Francesco Petrarca

Foto: Wikimedia Commons/Altichiero da Zevio, etwa 1370 bis 1380 (Ausschnitt)

Ich liebe es eben, Neues auszuprobieren.

20.07.1304

19.07.1374

padovacultura.padovanet.it

„Ich entfliehe der Stadt wie einem lebenslänglichen Gefängnis und beschließe, in einem einsamen kleinen Dorf, in einem lieblichen kleinen Haus, das von Olivenhainen und einem Weinberg umgeben ist, zu wohnen. Hier verbringe ich vollends ruhige Tage, jenseits aller Tumulte, allen Lärms und aller Obliegenheiten und lese und schreibe andauernd.“

Der große Dichter und Gelehrte Francesco Petrarca hatte das Leben in der Stadt offensichtlich satt. Vier Lebensjahre, von 1370 bis 1374, sollten ihm noch in seinem Landhaus in Arquà südwestlich von Padua verbleiben, in dem er sich „über die Maßen verbraucht und erschöpft“ niederließ. Es ist ein imposantes Steinhaus mit Außentreppe und Loggia, umgeben von einem prächtigen Garten und weitem Blick auf die Euganeischen Hügel. Ein arkadischer Ort – noch heute.

Petrarca lebte hier zusammen mit seiner Tochter und deren Familie. In der schmalen Studierstube im Sockelgeschoss sind neben Resten der Wandbemalung auch sein Sessel und der vergitterte Bücherschrank erhalten. „An Büchern kann ich nicht genug haben“, schrieb er einmal. Hier starb er in der Nacht vor seinem siebzigsten Geburtstag, gebeugt über seine geliebten Bücher.

Petrarca konnte auf ein vielseitiges und spannungsreiches Leben zurückblicken. Eigentlich sollte der Notarsohn eine juristische Laufbahn einschlagen, doch ihn zog es leidenschaftlich zur antiken Literatur und Kultur. Erst nach dem Tod des Vaters war der Weg frei, sich dieser Neigung – dem Sammeln und Studieren der bewunderten Klassiker Cicero, Vergil, Horaz und Seneca – ganz zu widmen.

Petrarca gehört zusammen mit Dante und Boccaccio, mit dem er freundschaftlich verbunden war, zu den Begründern der italienischen Literatur. Sein umfangreiches Werk in lateinischer Sprache umfasst Briefsammlungen, Prosaschriften und Handschrifteneditionen. Daneben entstanden Gedichtzyklen in italienischer Volkssprache, allen voran der berühmte „Canzoniere“, jene Lyriksammlung, die die lebenslange bittersüße Liebe zu einer gewissen Laura, der „Geliebten, Guten, paradiesisch Reinen“, beschwört. Laura war Petrarcas imaginierte ideale Frauenfigur, unerreichbar in ihrer Vollkommenheit.

Doch gerade hier zeigen sich die Bruchstellen und inneren Widersprüche seiner Existenz. Im realen Leben zeugte er zwei Kinder mit namenlos gebliebenen Frauen. Im realen Leben schwankte er zwischen Vita passiva und Vita activa, zwischen Weltabgewandtheit und Weltzugewandtheit – „Ich liebe es eben, Neues auszuprobieren“ (Sed placet experiri). Im realen Leben war er politischer Berater im Dienst kirchlicher und weltlicher Machthaber, umtriebig und weitgereist, und bewahrte sich dennoch als Gelehrter eine bemerkenswerte innere Unabhängigkeit. Er lebte in christlicher Frömmigkeit und zugleich in tiefer Verehrung der Antike, deren Wiederbelebung ihm zeitlebens ein Herzensanliegen war.

Auch die Besteigung des provenzalischen Berges Mont Ventoux im Jahr 1336 offenbart ein weiteres Mal diese innere Zerrissenheit. „Allein vom Verlangen geleitet, diesen außergewöhnlich hohen Ort zu sehen“, unternahm Petrarca die Wanderung, die oft als Beginn des zweckfreien Blicks eines Individuums auf die Landschaft gilt. „Ich staunte“, schrieb er. Doch nicht lange. Auf dem Gipfel zog er die „Confessiones“ des Kirchenvaters Augustinus aus der Tasche und stieß auf eine Textstelle, die ihn zu innerer Einkehr und Umkehr mahnte.

All dies sind Indizien für Petrarcas Herauswachsen aus dem geschlossenen Weltbild des Mittelalters. Der Mensch richtet seinen Blick offen und neugierig sowohl auf die äußere als auch auf die innere Welt. In seinem Bemühen um Selbstreflektion und Selbsterkenntnis steht Petrarca exemplarisch für das neuzeitliche Lebensgefühl. Ebenso in seinem Anspruch auf Selbstbestimmtheit:

„Ich will nicht daran gehindert werden, den Fuß dorthin zu setzen, wohin es mir gefällt, hier vorüberzugehen, hier ins noch Unbegangene einzudringen, dem kürzeren oder, wenn es mir in den Sinn kommt, dem gemächlicheren Weg zu folgen, zu eilen und innezuhalten, abzuschweifen oder auch umzukehren.“

Gegen Ende seines Lebens scheinen die Ambivalenzen in ihm mehr und mehr zur Ruhe gekommen zu sein. In Arquà widmete er sich seinen Studien und seinem Garten sowie der Überarbeitung und Zusammenstellung seiner Werke. Bereits zu Lebzeiten als hochgebildeter Poeta Laureatus verehrt, war ihm der Nachruhm gewiss. Als einer der Wegbereiter von Humanismus und Renaissance reicht seine Wirkung weit in die folgenden Jahrhunderte hinein – in die Literatur ebenso wie in die Musik mit den Vertonungen Monteverdis, Schuberts, Liszts und Schönbergs. Und auch in Arquà, in seinem friedvollen, wie aus der Zeit gefallenen Anwesen, lebt Francesco Petrarca bis heute fort.

Der Mont Ventoux war sowohl für Petrarca als auch einige Jahrhunderte später für Jean-Henri Fabre ein wichtiger Erfahrungsort. Während der eine den Makroblick auf die Natur und die Landschaft feierte, ging es dem anderen um den Mikroblick auf die Natur, auf Insekten und Pflanzen.

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